Ford Dänemark

Ford Werk Heimdalsgade1907 wurde mit F. Bülow & Co der erste Ford Händler in Dänemark ernannt, der auch schon zwölf Autos verkaufen konnte (in ganz Dänemark gab es damals erst 207 Automobile). 1909 verkaufte er schon 32 und 1913 bereits 109 Ford. Zu jener Zeit besaß Robert M. Lockwood die Ford Rechte weltweit (mit Ausnahme von Kanada).
Mit dem Erscheinen des T-Modells bemühte sich Bülow den Absatz zu steigern. Dänemark war jedoch nicht sehr Autofahrer freundlich: Benzin war rationiert und die Regierung hatte gerade eine Kfz-Steuer eingeführt. Dennoch konnte man 1916 immerhin 202 Ford absetzen, die alle aus Manchester kamen.
Bülow bemühte sich auch um den Export nach Russland, jedoch vergeblich. Noch 1917 wurden 220 T-Modelle aus dem englischen Werk in Manchester importiert, danach gab es keine Nachfrage mehr, weil Kraftstoff kiregsbedingt rationiert wurde.

Nach dem Ersten Weltkrieg unternahm "Big Bill" William S. Knudsen, gebürtiger Däne, eine Reihe von Europa-Reisen. Daraufhin empfahl er Henry Ford in Cadiz und Kopenhagen Montagebetriebe zu gründen. Beide sollten als regionale Stützpunkte agieren, Cadiz für Südeuropa und Kopenhagen für den Nordosten (zu dem neben Skandinavien und den baltischen Staaten auch Polen und der Freistaat Danzig zählte).
Dänemark hatte sich nicht am Krieg beteiligt und war so nach 1918 relativ wohlhabend. Zudem gab es keine einheimischen Autohersteller. Kopenhagen wurde auch wegen seiner guten Häfen ausgewählt, nachdem sich die Schweden in Göteborg wenig kooperativ zeigten.

 
T-Modell Fertigung 1919
Das 100m lange Fließband im Ford Werk Heimdalsgade

Der kleine Betrieb Nørrebro Heimdalsgade in Kopenhagen wurde bereits im Juni 1919 gegründet und bis September verließen ca. 700 T-Modell Touring das Band. Abnehmer waren F. Bülow, Gjestvang in Oslo und Amerikanska Motor Importen A/B in Malmö. Dänemark sollte Fords Zentrum für den Vertrieb in ganz Nordeuropa werden, dabei hielf auch die dänische Steuer- und Abgabenpolitik. Auf Dänemarks erster Montagelinie wurden Ford T für Skandinavien, Deutschland, das Baltikum und Polen produziert. Die deutsche Automobilzeitschrift Motorwagen bezeichneten Ford in Dänemark als "völlig dominierend". Ab 1921 wurden auch Traktoren verkauft und erste Pläne für ein größeres Werk geschmiedet und Bülöw eröffnete 1923 ein neues "Auto Palast" Hauptquartier in Kopenhagen.

Ford Werk Kopenhagen
Ford Werk Kopenhagen

Der Verkaufserfolg zwang das Ford Management sich nach einem besser geeigneten Produktions-Standort umzuschauen. Im Kopenhagener Freihafen baute man 1924 eine moderne, 11.000 qm große Fabrik. Der Architekt Albert Kahn, der alle Ford Fabriken weltweit entwarf, zeichnete eine moderne Anlage mit Schiffsanleger und Gleisanschluss nach dem Vorbild des amerikanoschen Rouge-Komplex, Monberg & Thorsen übernahmen den Bau. Im November war das Werk mit 600 Arbeitern betriebsbereit und die Produktion schoß von 140 pro Tag in Heimdalsgade auf 220. Immer mehr Teile wurden von heimischen Lieferanten bezogen.
Gleichzeitig wurden die Absatzgebiete von Ford neu verteilt und die Niederlassungen sollten weitere Investitionen tätigen. Bülow behielt nur die drei größten Städte Dänemarks. Er war darüber so erbost, daß er seinen Vertrag mit Ford kündigte und zur Konkurrenz von GM wechselte, die auch ein neues Werk in Kopenhagen gebaut hatten. Auch Knudsen ging zu GM.

Es begann eine regelrechte Werbeschlacht um die Kunden zwischen Ford und GM. Dabei vergaß Ford auch nicht zu erwähnen, daß der amerikanische Präsident stets einen Lincoln fuhr. Begleitet wurde dies von einer Preisschlacht. Zum Jahreswechsel 1925/25 kostete ein Runabout 2.575 Kronen und die viertürige Limousine 4.975 Kronen, der 100.000ste Ford T aus dänischer Fertigung verließ das Band.
Ab August 1927 stoppte die Fertigung in Kopenhagen für neun Monate. Die Anlagen wurden für das neue A-Modell umgerüstet, das sofort wieder ein Verkaufschlager wurde.
1929 wurden die europäischen Aktivitäten von Ford umstrukturiert, Dänemark wurde nun von Großbritannien aus geleitet. Offenbar war die Neuorganisation erfolgreich, denn das Jahr 1930 wurde zum erfolgreichsten in der dänischen Ford Geschichte. 19.216 Fahrzeuge wurden gebaut, von den bis auf 8.803 alle exportiert wurden. Man erwirtschaftete einen Gewinn von 3,5 Mio Kronen.

Die Wirtschaftkrise in den 30er-Jahre raubte dem neuen Werk die Exportmärkte, auch Nutzfahrzeuge wurden kaum noch gebraucht. Hinzu kamen Schwierigkeiten in Dänemark die nötigen Devisen für den Einkauf aus USA zu bekommen. Ab 1934 besserte sich die Situation wieder langsam, 1935 wurden erstmals mehr Ford in Schweden als in Dänemark abgesetzt, was auch an den die neuen und strikten Devisenbestimmungen der Dänen für Automobilimporte aus den Vereinigten Staaten lag. So konnten die Dänen in dieser Zeit zwischen in Dänemark, Deutschland, England, Frankreich und USA montierten Ford Modellen wählen - so viel Auswahl hatte die Kundschaft anderswo nicht.

Mit dem Kriegsausbruch sank die Produktion sofort um ca. 10%. Ein Grund war das rationierte Benzin, ab März 1940 wurden die Rationen noch einmal halbiert. Im April 1943 kam es zur Produktions-Einstellung in Dänemark.
Nach der Besetzung durch die Wehrmacht 1940 wurden auch andere Erzeugnisse (z.B: Holzgasgeneratoren für Imbert in Köln, Luftfilter für Niessen in Wien und Elb-Boote für Sachsenberg in Dessau) produziert. Rüstungsgüter verließen jedoch nie das Werk. Es erscheint wie eine Ironie des Schicksals, daß es während des Zweiten Weltkriegs (als die besetzten Werke in Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Dänemark sämtlich von Ford Deutschland kontrolliert wurden) vermutlich eine effektivere Koordination unter den kontinentaleuropäischen Standorten von Ford gab als in Friedenszeiten. Der Bau von Holzgasgeneratoren wurde auch nach Kriegsende vorerst weitergeführt.

Ursprünglich gehört auch Ford Schweden den Dänen, doch nach dem Zweiten Weltkrieg verkauft man alle Anteile. 1949 wird das neue Ford Werk im Freihafen von Stockholm fertig, somit entfiel dieser wichtige Markt für die Dänen. Bereits 1946 begann man in Hafen von Helsinki Fords zu bauen.

Seit 1950 konnten in der dänischen Hauptstadt wieder Ford gebaut werden, jedoch erst 1957 wurde die staatliche Kontrolle des Automarkts und die Zuteilung der Fahrzeuge aufgehoben. Durch gesunkene Zölle und Abgaben im inner-europäischen Warenverkehr wurde die Produktion in Dänemark immer unrentabler. Im Juni 1966 wurde die Fabrik der Ford Landwirtschafts-Sparte zugeteilt und produzierte fortan Traktor Zubehör. In den 47 Jahren zuvor hatte man 325.482 Autos gebaut. 1969 wird die Produktion in Dänemark endgültig eingestellt.

Als die Traktorenfabrik Mitte der 70er Jahre geschlossen wurde, standen Fords Verwaltung und Lager neben dem alten Montagewerk. Das Gebäude beherbergte weiterhin die Verwaltungsbüros und wurde auch als Außenlager genutzt, bis Ford 1991 das Endlager schloss und im selben Jahr die Büros von Sydhavnen nach Glostrup verlegten. Das dänische Hauptquartier wechselte Ende 2003 nach Ballerup, wo Ford heute rund 75 Mitarbeiter beschäftigt.

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