Ford Cadiz
Am 2. Juni 1920 wird die Ford Motor Co. SAE mit einem Startkapital von 500.000 Peseten gegründet. In dem Bestreben, ein neues Werk für die Belieferung der südeuropäischen Märkte zu bauen, schlug Ford die Errichtung einer neuen Fabrik in Bordeaux vor. Die französischen Behörden zeigten sich nicht kooperativ, und so wurde statt dessen ein Montagebetrieb in Santa Maria, dem Freihafen der spanischen Stadt Cadiz, eröffnet - in einer ehemaligen Weinbodega. Man beginnt mit der Montage von T-Modellen, TT-Lkws und Fordson Traktoren. Im ersten Jahr sollen 2.000 Fahrzeuge, die zerlegt in Kisten aus USA geliefert wurden, gebaut werden, im zweiten schon 5.000. Doch diese Zahlen wurden nie erreicht, hohe Abgaben und Streiks minderten den Ausstoß, das Werk blieb aber dennoch profitabel. Ein T-Modell kostete in Spanien damals viereinhalb mal soviel wie in Detroit (4.700 - 6.200 Peseten), war aber immer noch viel preiswerter als die heimischen Hispano-Suiza.
Modell-Y "Forito" als Preis für die Miss Espana 1932
Bereits
1923 verlagert man die Fertigung
nach Barcelona in die Avenida Icària, da es in Cadiz immer wieder zu
Streiks und Qualitätsproblemen gekommen ist. 1929 wird die Firma in
eine Aktiengesellschaft unter dem Namen "Ford Motor Ibérica SA"
umgewandelt. 1924 beträgt der Fließband Ausstoß rund 100 Fahrzeuge
täglich bei 350 Mitarbeitern. Man montiert weiterhin LKW, Busse und Traktoren, aber auch zerlegte A-Modelle und ab 1932 Y-Modelle.
1935 erreicht Ford 30% Marktanteil in Spanien, dabei kam rund die
Hälfte eines Ford aus spanischer Produktion, exportiert wird in die
Nachbarländer Portugal und Gibraltar, sowie den zu Spanien gehörenden
Inseln im Atlantik und Mittelmeer. Als "Modelo 10" montierte man einen
Zwitter aus dem deutschen Eifel und dem
englischen Model CX. 1936 entscheidet man sich zum Bau eines neuen
Werks im Freihafen von Barcelona. Nur zwei Wochen nach Ausbruch des
spanischen Bürgerkriegs wurde die Fabrik von regierungstreuen
Republikanern besetzt und hielt sich mühsam über Wasser, bis Barcelona
1939 von Francos nationalistischen Truppen eingenommen wurde.
Ebro C-Serie
In
der Zeit zwischen dem spanischen Bürgerkrieg
und dem Zweiten Weltkrieg nimmt man die LKW Fertigung trotz
Materialknappheit
wieder auf, auch Ersatzteile werden geliefert um Vorkriegsfahrzeuge
fahrbereit zu halten. Franco mochte Ford jedoch nicht, da Ford ihn im
Gegensatz zu GM und Chrysler während des Bürgerkriegs nicht unterstützt
hatte. Allerdings wurden knapp 6.000 englische Ford während des
Bürgerkriegs über Portugal in das von Franco besetzte Spanien
verschifft
und ein Ford LKW diente Franco im Krieg sogar als rollende Kommandozentrale.
Nach Kriegsende nahm Ford die LKW Produktion in bescheidenem Umfang
wieder auf, erzielte aber nur Verluste bis die neue Marke "Ebro" für Nutzfahrzeuge und Traktoren
gegründet wurde. Nun baute man den englischen Fordson Thames LKW
als Ebro 7V in Lizenz, anfangs noch mit komplett aus England
angelieferten Teilen. Das Ford Werk Dagenham liegt an der Themse,
Köln am Rhein und Barcelona am Ebro - ein sehr passender Markenname also. Nachfolger
werden die Ebro B-35 und B-45 mit kleineren Rädern und einer kürzeren Schnauze. Die Serien D und E hatten dann schon eine Kippkabine.
Im Mai 1954 wird der Betrieb verstaatlicht, Ford verkauft seine
spanischen Betriebe an Motor Iberica, hält aber bis 1965 über Ford
England die Beziehungen aufrecht.
Ebro Diesel mit Ford Lizenz
FADISA, ein Betrieb der Produkte von Alfa-Romeo, AVIA, Perkins, AISA in Lizenz, aber auch SIATA Lieferwagen und Jeeps unter der Marke VIASA-EBRO baut, wird erworben. 1966 erwirbt der kanadische Massey-Ferguson Konzern 32% der Anteile und beginnt mit der Montage von leichten Nutzfahrzeugen. 1979, auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise, tritt Massey-Ferguson seine Motor Ibérica Anteile an Nissan ab. 1981 kontrolliert Nissan schon 55% der Anteile und beginnt in Spanien mit dem Bau des Patrol Geländewagens und der Vanette. Die Landmaschinen Sparte wird abgestoßen und fungiert unter "Ebro Kubota" weiter. 1987 wechselt die Firma erneut den Namen in "Nissan Motor Ibérica SA". Mittlerweile hält Renault 30% der Anteile an Nissan, Fahrzeuge werden noch stets im Werk Barcelona gebaut. Zu ihnen gehörte auch der 1993 vorgestellte Ford Maverick Geländewagen, ein Nissan Terrano I mit Ford Pflaume.
Das Kapitel Ford in Spanien erreicht 1976 in Almussafes bei Valencia seinen Höhepunkt, als dort in einem komplett neu gebauten Werk die Produktion des Fiesta begann. Ende der 70er Jahre wird auch Cadiz wieder ein Standbein, von dort wurden nun elektrische und elektronische Komponenten geliefert.