Fordson Model F

Baujahre 1917-1928, Produktion im Tractor Plant Dearborn/USA (1917-1922), Rouge Plant Dearborn/USA (1921-1928) und in Cork/Irland (1919-1922). Kopien entstanden 1924-32 im Kirovwerk St.Petersburg (UdSSR)
Stückzahl: 747.681 aus amerikanischer und 7.597 aus irischer Produktion
Antrieb: 4,3 Liter Vierzylinder Reihen-Benzinmotor mit 20 PS, Mischbetrieb mit Petroleum möglich; Dreigang Getriebe
Gewicht: ca. 1.100 kg

Als Sohn eines Bauern war Henry Ford natürlich an der Landwirtschaft interessiert. Schon 1907 baute er zusammen mit dem Ungarn Jozsef Galamb seinen ersten Traktor Prototypen ("Automobil-Pflug"). Bis 1915 konzentrierte Ford sich jedoch auf die Produktion des Modell T.

Als Großbritannien im Ersten Weltkrieg durch die deutsche U-Boot-Blockade in arge Versorgungsengpässe geriet und bei den ständig geringer werdenden Lebensmitteleinfuhren die eigene Landwirtschaft in Schwung bringen mußte, aber unter einem großen Mangel an Arbeitskräften und -tieren litt und nicht selbst schnell genug Maschinen produzieren konnte, war der Bedarf an importierten Zugmaschinen so groß, dass amerikanische Traktoren wie der "Titan" und der "Waterloo Boy" diesen nicht decken konnten.
Diese Chance nahm der amerikanische Automobilkönig Henry Ford wahr und bot der britischen Regierung seine Hilfe an: Er versprach zu einem günstigen Preis innerhalb kürzester Zeit 6.000 Traktoren nach England zu liefern und baute eigens dafür binnen weniger Monate ein neues Werk an der Ecke Michigan Avenue und Brady Street auf. 1917 wurde die Firma "Henry Ford & Son" gegründet und die Serienfertigung begann. Der Name Fordson entstand, nachdem sich der ursprüngliche Aufsichtsrat der Ford Motor Company gegen den Bau von Traktoren aussprach. Erst mit der Übernahme aller Anteile im Jahr 1920 durch Henry Ford wurde die  Schlepper- in die Automobilproduktion in die Ford Motor Company integriert, der Name "Fordson" wurde aber noch lange für Schlepper und Nutzfahrzeuge verwendet.

Im April 1917 erging der Auftrag der britischen Regierung an Ford, und bereits im April 1918 lieferte Ford. Dies war die Geburtsstunde der preisgünstigen Schlepper Massenanfertigung und des "Fordson Modell F": Bis 1920 wurden weltweit 162.666 Traktoren dieses Modelles produziert, von 1921 bis 1925 394.842 und von 1926 bis 1930 noch einmal 214.956. Dreiviertel aller neuzugelassenen Traktoren in den USA waren "Fordsons". 1919 begann die Produktion in Irland, zuerst noch mit Hercules Motoren, später erfolgte dann die Umstellung auf Ford Motoren.

Fords Mitarbeiter Eugene Farkas hatte die Idee die tragende Struktur aus Gußeisen zu fertigen, anstatt einen separaten Rahmen zu benutzen. Nachdem sich dieses Konzept bei fünfzig Prototypen im landwirtschaftlichen Einsatz bewährt hatte, konnte die Serienfertigung dieser bis heute gültigen Konzeption beginnen. Mit Motor und Getriebe als tragendem Element konnte man einen recht leichten Schlepper (ca. 1.100 kg) konstruieren. Diese Bauweise war auch besonders gut für große Stückzahlen geeignet, was wiederum niedrige Kosten bedeutet. Durch seine Riemenscheibe war der Fordson auch als Stationärmotor zum Antrieb von Maschinen verwendbar. Außerdem konnte er als Zugmaschine für Ackerwagen und Geräte eingesetzt werden. Andere Hersteller waren derweil im Glauben, daß "größer" und damit auch "schwerer" automatisch auch "besser" bedeutet.

Zuerst gab es noch keine Gummibereifung. Kotflügel mit integrierten Staukästen gab es bei den in USA gebauten Modellen ab 1924 gegen Aufpreis. Die anfällige Summerzündung wurde vom Modell T übernommen, viele wurden jedoch später auf Magnet- oder Batteriezündung umgerüstet.
Eine weitere Innovation aus den USA, die den Traktor erst zu einer nahezu perfekten Zugmaschine in der Landwirtschaft machte, sich aber dennoch in Deutschland erst nach 1945 durchsetzte, ist die Dreipunktaufhängung. Vom Iren Harry Ferguson entwickelt und seit 1922 an den "Fordson"-Traktoren serienmäßig angebracht, übertrug sie die Kraft vom Traktor auf den Pflug so geschickt, daß der Pflug im Boden grub, aber der Traktor sich nicht mehr wie bisher aufbäumte, da die Vorderachse nun mehr belastet wurde.

Die deutsche Landmaschinenindustrie und einflußreiche Kreise hatten bei der Reichsregierung ein Importverbot des "Fordson" erwirkt, weil die deutschen Unternehmen gegenüber dem mächtigen Ford nicht wettbewerbsfähig waren und um ein gleiches Schicksal fürchteten wie einige kleinere Betriebe in den USA, die ihre Produktion einstellen mußten. So entwickelten die Deutschen, genauer die Firma Pöhl, ihren eigenen Traktor: die "Pöhl-Ackerbaumaschine", die dem "Fordson" zwar ähnlich in Leistung und Technik war, aber um ein Mehrfaches teurer war. Die Herstellungskosten des Fordson betrugen ungefähr 1.900 Goldmark, die des Pöhl-Schleppers hingegen 7.000 Goldmark.
Jedoch blieb das Interesse der Deutschen an leistungsstarken und dennoch preisgünstigen "Fordson" bestehen. So erwirkte beispielsweise Kommerzienrat Graetz 1921 anläßlich der Frankfurter Messe bei der deutschen Reichsregierung die Einfuhr von acht "Fordsons", die danach aber nicht zurück nach Amerika verschifft wurden, sondern auf seinen eigenen Ländereien zum Einsatz kamen. Auch das Ruhrgebiet und das Rheinland, wo die Einfuhrbeschränkungen für die amerikanischen Schlepper keine Gültigkeit besaßen, wurden zu Abnehmern der Fordsons.
Erst im Frühjahr 1924 wurde eine begrenzte Einfuhr des "Fordson" zugelassen, der sogleich einen reißenden Absatz in Deutschland fand und so die deutschen Hersteller zum Umdenken zwang. Die ersten 500 Fordson waren sofort ausverkauft, und bereits 1925 kam jeder siebte in Deutschland neuerworbene Traktor aus dem Hause des nordamerikanischen Autokönigs.
Um konkurrenzfähig zu bleiben, stiegen auch deutsche Schlepperhersteller auf Serienproduktion um und nahmen sich die Grundprinzipien des Fordson zum Vorbild. Als deutscher Fordson kann der  "Hanomag WD Radschlepper" mit 28 bis 32 PS bezeichnet werden, der dem Fordson in vielerlei Hinsicht überlegen war.

Doch auch der Staat nahm sich in den 20er Jahren der deutschen Schlepperindustrie an. Wie schon zuvor erwähnt, griff er zunächst dadurch ein, dass er den Import des "Fordson" bis 1924 unterband, um die deutsche Industrie vor den preisgünstigen Massentraktoren zu schützen. Er unterstützte auch die Finanzierung von Landmaschinen durch eine 1924 gegründete "Finanzierungsgesellschaft für Landkraftmaschinen" (FIGELAG oder Traktorbank), die Kredite an die Landwirte vergab, die deutsche Schlepper kaufen wollten. Der Kauf eines Fordson hingegen wurde nicht finanziell unterstützt.

Im Jahr 1928 wurde als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise und sinkender Nachfrage die Produktion vorrübergehend eingestellt. Die Montage in Europa mit dem Nachfolge Modell N wurde wiederaufgenommen, als die Sowjetunion viele Fordson Traktoren und Ersatzteile orderte.

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