Ford Italien

Die ersten Ford Fahrzeuge tauchten in Italien auf dem seit 1900 stattfindenden Turiner Salon auf, ein Ford erringt beim 1906 ausgetragenen Rennen Mailand - San Remo den zweiten Platz.
1913 gründete Ford in der Turiner Via Arsenale 17 die "Direzione Generale Italiana", die sich mit den Ausstellungen und dem Import der Ford Fahrzeuge nach Italien befassen sollte.
Doch schon 1912 besuchte Giovanni Agnelli, Mitbegründer von FIAT, die für italienische Verhältnisse riesigen Anlagen von Ford in Highland Park und River Rouge. Auch Giovanbattista Farina (später als Pininfarina bekannt) traf sich 1920 mit Henry Ford, der ihn erfolglos nach USA abwerben wollte.

Bekannt wurde Ford im Ersten Weltkrieg durch die von den Alliierten eingesetzten Fahrzeuge. Viele verblieben nach Kriegsende im Land und erwarben sich einen guten Ruf wegen ihrer Zuverlässigkeit. Eins dieser T-Modelle wurde von Aldo Meneghini aus Padua für den Einsatz bei Bergrennen umgebaut. Später (1924) wurde Meneghini erster Ford Händler in Padua, einer der ersten in ganz Italien. Ford Händler gab es hauptsächlich im Norden Italiens. Die Geschäfte liefen wohl recht gut, denn schon 1926 gab es ein Händlernetz mit 250 Niederlassungen.

1923 gründete Ford die "Ford Motor Company Italia" in Triest als ersten Schritt eines ehrgeizigen Plans. Ford-Triest war in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich: Man war auf drei Kontinenten aktiv. Neben Italien gehörten Österreich, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien, Albanien, Georgien, Mesopotanien, Arabien, Oman, Afghanistan, Bahrein, Abessinien, Djibuti, Malta, Ägypten, Griechenland (wo in den 20er Jahren T-Modelle bei Petropoulos in Thessaloniki montiert wurden), Zypern, Palästina und Persien dazu. In diesem riesigen Gebiet schätzte man den Ford Marktanteil auf 75%. Werkstattliteratur musste übersetzt werden.

Ford Triest Hangar 27
Triest Hangar 27

Die Ford Gebäude befanden sich im Triester Freihafen (Hangar 27), wo T- und TT-Modelle zusammen mit Fordson Traktoren auf einer Fertigungslinie mit aus den USA gelieferten Teile zusammengebaut wurden. Vorteil der Ansiedlung im Freihafen war der Entfall von Import Abgaben.

Italienische Kunden konnten unter verschiedenen Aufbauvarianten wählen, aber auch nackte Fahrgestelle für eine Karosserie nach Wunsch erwerben. 1926 kostete ein fünfsitziger Torpedo 21.300 Lire, mit dem Erscheinen des A-Modells sank der Preis (ohne Stoßstangen) auf 18.600 Lire im Jahr 1928. Zum Kauf eines A-Modell erhielt der Kunde außerdem damals schon drei kostenlose Inspektionen bei 800, 1.600 und 2.400 km.

Die Verkaufszahlen stiegen langsam an, doch die Importzölle verhinderten die Einfuhr von kompletten Fahrzeugen. Ford musste also ein größeres Werk bauen. Der erste Plan war im günstiger gelegenen Livorno Ende der 20er Jahre eine Fabrik zu bauen, was jedoch am Widerstand FIATs scheiterte. Mussolini lehnt seine Zustimmung ab, Ford wollte nun die Mailänder Nobelmarke Isotta Fraschini übernehmen. Im Zuge dieser Überlegungen wurde sogar der allererste Isotta Fraschini aus dem Jahr 1901 dem Henry Ford Museum geschenkt. Wieder scheiterte die Übernahme am Einspruch FIATs. Ford konzentrierte sich fortan auf Traktoren.

1933 erfolgte dann die Übersiedlung der Ford Montage nach Bologna, Fordson Traktoren wurden dort in größerer Stückzahl gebaut und erwarben sich schnell einen guten Ruf. Das Werk lag zentral in der wichtigsten Agrarregion Italiens, hilfreich beim Absatz von landwirtschaftlichen Maschinen. Auch in der norditalienischen Hafenstadt Genua wurden 1932 Fordson Traktoren montiert.
Der PKW Absatz lief immer noch schleppend, auch weil die Ford Motoren zu viel Hubraum hatten. Ford's englisches Modell-Y wäre die Lösung, doch englische Produkte waren zu Mussolinis Zeiten in Italien nicht gern gesehen.  Nach der Kriegserklärung in Abessinien und den darauf folgenden Sanktionen durch den Völkerbund war es sowieso in Italien unmöglich Autos zu importieren.

Dem Ruf der Ford Nutzfahrzeuge schadete es indes nicht, schon 1926 berichtete die wichtige "L'Illustrazione Italiana" über Fords "stählernen Kamele", die sich so gut im Kolonialkrieg bewährten. Während der Sanktionen erwarb das italienische Kriegsministerium Ford LKW in Jemen und Kenia, mit Bestimmung Mogadischu.  Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde das Werk in Bologna konfisziert, produzierte aber bis zur Zerstörung durch Luftangriffe 1944 in kleiner Stückzahl weiter.

Nach Kriegsende nahm Ford seine Handlesbeziehung schnell wieder auf, Transportkapazitäten wurden dringend benötigt und die veralteten Traktoren warteten auf Ersatz. Die Firma änderte ihren Namen in Ford Italiana SA und nach dem Wiederaufbau des Werks in Bologna baute man bis 1948 erneut Traktoren.  Nach erhalten geblieben Unterlagen profitierte Ford wohl auch von reduzierten Importabgaben, konzentrierte seine Geschäfte aber fast ausschließlich auf Norditalien.

1959 überlegte Ford Möglichkeiten entweder Alfa-Romeo oder Lancia zu übernehmen. Alfa-Romeo hätte jedoch zu große Investitionen benötigt, außerdem gab es dort schon Beziehungen zu Renault. Auch Lancia wurde nach eingehenden Untersuchungen als ungeeigneter Partner angesehen und die Verhandlungen wurden eingestellt.

1963 wollte sich Ford bei Ferrari einkaufen. Enzo Ferrari bot eine Aktienmehrheit an, wollte aber freie Hand über alle Motorsport Aktivitäten behalten. Henry Ford II hingegen wollte die uneingeschränkte Kontrolle. Am Ende scheiterten die Verhandlungen, Ford startete mit dem "Total Performance Programm" einen Rachefeldzug um Ferrari im Motorsport zu schlagen - was zumindest in Le Mans und der Formel 1 auch gelang.  Wenige Jahre später musste sich Ferrari mit FIAT dann doch einen Partner suchen und Ford nahm 1967/68 erneut erfolglose Verhandlungen mit Lancia auf.

Anglia Torino
Anglia Torino

1959 zog Ford Italien von Bologna nach Rom, für die Logistik ein besserer Standort. Man plante den Verkauf der kleinen Anglia, deren radikales Styling jedoch zuerst auf Bedenken stieß. Trotzdem wurde der kleine Engländer ein großer Verkaufsschlager und der Marktanteil schoß auf über 4%. Man schuf daraufhin eine eigene Version des Anglia, die in Italien gebaut wurde. Der Anglia Torino wurde von OSI entwickelt (Styling von Michelotti) und ab April 1965 verkauft. Qualität und Zuverlässigkeit entsprachen jedoch nicht den Erwartungen, die Anglia Torino wurden zu Ladenhütern und Ford Italien Chef Filmer musste zurücktreten. OSI baute auch ein hübsches Coupé auf Taunus Basis, das jedoch hauptsächlich in den Export nach Deutschland ging.

Ford Italien optimierte seine Beziehungen zu den Händlern, Marketingprogramme und Training sollten bessere Verkaufszahlen bringen. Als gutes Beispiel diente der "Geisterwagen" des Händlers Paolo Gratton: Er baute einen Taunus 20M XL so um, daß er vom Kofferraum aus gesteuert werden konnte. Jahre später baute Gratton sein "Gratton Ford Museum", dessen Fassade dem alten Hangar 27 in Triest nachempfunden ist. 

In Italien verkaufte Ford damals englische (z.B. Cortina) und deutsche Ford Modelle, die deutschen galten zwar als technisch moderner (Frontantrieb), trafen jedoch nicht den italienischen Geschmack. Erst Escort und Capri fanden mehr Anklang. So erreichte man 1970 einen neuen Verkaufsrekord. Mit dem Erscheinen des FIAT 127 kam Ford jedoch 1971 wieder in Zugzwang. Der Fiesta war die Lösung und ist bis heute in Italien ein großer Erfolg.

1973 kauft Ford die renommierten Karosseriebetriebe Ghia und Vignale auf, vereinigte sie mit de Tomaso und entwicklete den Pantera als GT40 Nachfolger. 1974 wurde der Verband schon wieder aufgelöst, Vignale mußte schließen und Ghia entwarf fortan viele Prototypen für Ford, passte später aber immer schlechter in den international operierenden  Konzern. Es überlebte nur das Name für die top ausgestattetetn, europäischen Ford.

Mitte der 80er Jahre untersuchte man einen Zusammenschluss mit FIAT, zuerst wollte man gemeinsame Komponenten verbauen und ein gemeinsames Händlernetz nutzen. Schlussendlich konnten sich Ford und Agnelli aber doch nicht einigen, ein strittiger Punkt blieb wohl die Frage wer dem neuen Konzern vorsitzen sollte. Einigen konnte man sich aber bei den Landmaschinen und schweren Nutzfahrzeugen. FIAT Agri übernimmt den europäischen Teil von Ford New-Holland und kooperiert zusammen mit IVECO beim Bau der Cargo LKW Modellreihe. Auch mit Alfa-Romeo gab es ab 1986 Verhandlungen zum Erwerb einer Aktienmehrheit, Alfa-Romeo entschied sich aber für FIAT als zukünftigen Partner.

StreetKa
StreetKa

Ab 2003 wurden wieder Fords in Italien gebaut. Der ursprünglich von Ghia entworfene StreetKa lief bei Pininfarina in Bairo vom Band, ab 2006 dort das Focus Coupé-Cabriolet (dessen versenkbare Dachkostruktion an den Fairlane Retractable von 1957 erinnert). Der Ford Ka auf FIAT 500 Basis wurde bis 2016 im polnischen FIAT Werk Tychy gebaut. In Rußland erwirbt Ford dagegen ein FIAT Ducato Montageband nahe Kasan und nutzt es zunächst für die Transit Montage.

2015 feiert ein weitere, italienische Marke ihre Wiederaufserstehung. Die europäischen Ford Top-Ausstatungen heißen fortan "Vignale" - wie die früher zu Ghia gehörende Karosserieschmiede, deren Name letztmalig an der Focus Coupé-Cabriolet Komzeptstudie auftauchte

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