Ford Mexiko

Als Nachbarland der USA kam Mexiko erst relativ spät zu einer eigenen Ford Niederlassung. Grund dafür war die mexikanische Revolution. 1916 wurde das erste T-Modell nach Mexiko verkauft, in den 20er Jahren erschienen die ersten Ford TT "Fotingos"  LKW in Mexiko, vetrieben über Houston und Los Angeles. Zu den Händlern der ersten Stunde gehört Sánchez Automotriz, heute einer der größten mexikanischen Autohändler. Dessen Geschichte begann 1919 mit einem Gemischtwarenladen, doch bald fanden sich auch Packard, Hudson und Ford Modelle im Angebot. Sechs Autos konnte man im ersten Jahr absetzten. Als die ersten Ford in Mexiko gebaut wurden konnte sich die Familie Sánchez ganz dem Automobilgeschäft widmen und gab den Laden auf. Am 23. Juni 1925 wurde Ford of Mexico in einer angemieteten Lagerhalle mit Gleisanschluß in Mexico City gegründet, nachdem der Mexikaner Adrian Lajous Edsel Ford überredet hatte im Nachbarland der USA aktiv zu werden. Ford beschäftigte 260 Arbeiter für 3 Dollar pro Tag, weit über der üblichen Vergütung. Rund 25 Autos konnten täglich gebaut werden.

1929 flog Charles Lindbergh in einer Ford Tri-Motor von Tuxpan über Tampico nach Brownsville. 1930 wurde das neue Ford Werk in La Villa eingeweiht.

1932 ersetzte ein vom Ford Architekten Albert Kahn entworfenes, moderndes Montagewerk die angemieteten Gebäude. Kurz darauf produziert man 100 T-Modelle täglich, nachdem die Produktion in den USA schon längst ausgelaufen war.

Ford in Mexiko
Ford AA im harten mexikanischen Einsatz

Für den Verkauf der Ford Marken wird am 16.2.1954 eine Vertriebsorganisation gegründet, die fortan und unter ständig wechselndem Namen Ford, Mercury und Lincoln Fahrzeuge im Atztekenstaat verkauft.

Lincoln bei der Carrera Panamericana 1953
Lincoln Team bei der Carrera Panamericana 1953

Schon in den 40er Jahren wird in Mexiko darüber nachgedacht, wie man den Tourismus abseits der Küsten fördern kann. Schnell kam man auf die Idee ein Straßenrennen auf dem neuen Highway von Guatemala hinauf nach Texas auszutragen. Besonders erfolgreich bei der Carrera Panamericana sind dabei die "Hot Rod" Lincoln Capri, die ab 1952 mehrfach Klassensiege erringen konnten. Dabei waren die Autos fast serienmäßig, nur härtere Federn halfen mit den schlechten Strassen fertig zu werden. Schon 1955 war der Spuk wieder vorbei, das Rennen galt als zu gefährlich für Fahrer und Zuschauer.

Ford Mexiko bleibt auf Expansionskurs und steigert kontinulierlich die Produktion. 1962 übernimmt Ford das mexikanische Studebaker-Packard Werk in Tlalnepantla und eröffnet neue Büros in der Hauptstadt. Gesetzliche Bestimmungen zwingen Ford den Anteil an heimischen Lieferanten zu steigern. Am 4. November 1964 weiht Henry Ford II den Industriekomplex in Cuautitlan ein, der bis heute als Montage- und Presswerk für PKW und LKW dient .

1970 triumphiert ein Escort mit einem Gewinn der London - Mexiko Rallye. Ein sportliches "Mexico" Sondermodell feiert fortan auch in Europa Erfolge. Ford Mexiko feiert derweil das 500.000ste gebaute Auto.

Shelby de Mexico
auch das gab es in Mexiko: Eine offizielle Shelby Vertretung

Zu den unglücklichen Kapiteln in Mexiko zählt die unglückliche Namenswahl einiger Ford Modelle. Große Erwartungen wurden 1972 an den Fiera, das sogenannte "T-Modell für Entwicklungsländer", aus den Philippinen gestellt. Doch Fiera bedeutet im Spanischen soviel wie alte, hässliche Frau. Parallelen zum Ford Probe in Deutschland drängen sich auf. Den eigentlich recht beliebten Comet taufte man in Caliente (span. für heiß) um, danach verkaufte er sich in Mexiko nur noch schlecht. Kein Wunder - dient doch dieser Begriff dort für ein Straßenmädchen.

Als Billiglohnland dient heute Mexiko hauptsächlich zur Belieferung des großen Nachbarn im Norden. 1979 wurden Joint-Ventures zur Ferigung von Aluminium Zylinderköpfen (NEMARK) und Verglasung (Alfa Group) gegründet. Ein weiteres Motorenwerk kam 1983 in Chihuahua (zweites Werk seit 2009) hinzu und lieferte z.B. auch Motoren für den Mondeo. Das modernste Werk steht seit 1986 in Hermosillo und montiert hauptsächlich für den US-Markt. Über 80 Prozent werden exportiert. Ein Joint-Venture mit Navistar baute die schweren F-650/750 LKW in Escobedo.

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