MÁVAG - Ford in Ungarn

Baujahre (Ford-Modelle): 1936-1942 in Budapest (H)
Stückzahl: rund 400 Ford V8 und 210 Eifel PKW sowie über 5.000 LKW und Busse (die Angaben schwanken je nach Quelle)

bei MÁVAG gebauter Schlepper
MÁVAG BN-40 Schlepper, zu sehen im Museum Godollo/Ungarn

Die gebürtigen Ungarn József Galamb, Jeno Farkas, Gyula Kaltenberger und Károly Baloghgalt galten als rechte Hand Henry Fords bei der Entwicklung des Fließbands, des "Tin Lizzy" Getriebes und des Fordson Schleppers. Galambs Bruder wurde in der Heimat zu einem erfolgreichen Ford Händler und exportierte T-Modelle bis in die Sowjetunion. Der bekannte Omnibus Hersteller Ikarus stellte 1924 seinen ersten Bus auf Ford TT Chassis vor.

MAVAG Ford V8
MÁVAG Ford V8 Taxe 1937 - das Fahrgestell wurde aus Köln angeliefert, der spezielle Aufbau entstand in Ungarn

Der ungarische Maschinenbaukonzern MÁVAG (Magyar Állami Vas-, Acél- és Gépgyárak = staatliche Waggon- und Lokomotivfabrik) baute neben Lokomotiven, Waggons, Landmaschinen auch den zuvor in Ungarn sehr erfolgreichen Fordson Traktor in Lizenz, zudem Lanz, FIAT und IHC Schlepper und auch Busse. 1934 übernahmen Miklós Horthy und sein Sohn die Führung bei MAVAG, beide hatten gute Beziehungen zu Ford in Dearborn.

1938 schloß MAVAG Chef István Horthy eine Vertrag mit Ford um fortan LKW, Eifel und Ford V8 in Ungarn montieren zu dürfen. So werden in Budapest mit dem Ford-MAVAG Emblem über dem Kühlergrill rund 140 deutsche Ford V8 und 210 Eifel in Lizenz als Kraftdroschken montiert, die sich gut als Taxe verkaufen ließen, da es in Ungarn ja keinen eigenen PKW Hersteller gab und die Droschkenfahrer angehalten wurden heimische Fahrzeuge zu erwerben.

V8 mit Karosserie von Geza Nagy
Ford V8 beim internationalen Concours d'Élégance in Budapest

Beim Concours d'Élégance 1938 galt der Ford V8 mit Géza Nagy Karosserie als ausgefallen und sehr gelungen. Die im 14. Bezirk Budapests Zugló beheimate Karosseriefirma schuf zuvor Aufbauten für Ford T-Modelle und bschäftigte 18 Mitarbeiter. Erste Anerkennung erragen ihre Entwürfe beim erstenConcours d'Élégance in der ungarischen Hauptstadt 1928.

Am 1.10.1938 mußte das ungarische Werk der deutschen Ford Werke AG überlassen werden. MÁVAG baut 1938/39 5.000 offene Ford M39 Armee LKW. Davon wurden rund 1.500 mit Allrad-Antrieb nach Marmon-Herrington Lizenz bei Manfred-Weiss für die Montage einer 40mm Flugabwehr Kanone umgerüstet. Manfred-Weiss baute 1937-39 zudem eigene 4x4 Militär LKW nach Garner (GB) Lizenz mit Ford V8 Motoren, deren Dreitonner nutzen sogar gleich zwei Flathead V8 zum Vortrieb. Manfred-Weiss hatt zuvor bereits eine Lizenz von Ford zum Bau des A-Modells erworben, diese aber nie genutzt.

In den 40er Jahren entwickelt sich MÁVAG zum wichtigen Rüstungskonzern. Neben Schusswaffen werden auch Mercedes-LKW, "Turan II" Panzer und schwere Einheits-Pkw für Krupp gebaut. Ab 1942 werden Jagdflugzeuge vom Typ "Heja" (ein Lizenzbau der italienischen Reggiane Re2000 mit anderem Motor) und sogar Messerschmitt Me-109E im neuen MÁVAG Werk montiert.

Nachdem man den Krieg relativ unbeschadet überstanden hatte wurde MÁVAG 1946 verstaatlicht. 1949 fusionierte man mit Ganz, einem weiteren Eisenbahnwerk, das u.a. auch Ungarns erstes Automobil gebaut hatte. Ganz-MAVAG ist bis heute mit Triebwagen auf dem Eisenbahnsektor tätig. Seit dem Fall des eisernen Vorhangs versucht man den Konzern zu privatisieren, bisher ohne Erfolg.

Werk Szekesfehervar
Werk Szekesfehervar

Ford eröffnet im Mai 1992 das Werk Alba für Motoren- und Klimaanlagenteile in Szekesfehervar rund 65 km südwestlich von Budapest, das seit 2000 zum Visteon Verbund gehört. Ausschlaggebend bei der Investitionsentscheidung für Ungarn waren günstige Faktoren wie Infrastruktur, Qualifikation der Arbeitnehmer, Qualität, Kundennähe sowie die im Werk verfügbare Hallenkapazität. 

                [<< GAZ] | [Home] | [Ford Kragujevac] | [Ford-Vairogs] | [Gräfford >>]