Ford Lateinamerika

Ford eroberte die Märkte Lateinamerikas 1911, als die ersten Fahrzeuge in Venezuela verkauft wurden. Bald darauf wurden Verkaufsorganisationen in Buenos Aires (Argentinien 1913) und Brasilien (am 24. April 1919 als Filiale von Argentinien) gegründet. 1916 wurde mit der Montage von Tin-Lizzies in einer ehemaligen Zigaretten Fabrik in Buenos Aires begonnen. La Boca, ein größeres Montagewerk, nimmt 1922 die Produktion auf. 1926 wird bereits der 100.000ste Wagen fertig. In Argentinien werden im 2. Weltkrieg keine Autos mehr gebaut, nur restliches Material montiert, Ersatzteile ausgeliefert und Batterien hergestellt.

1922 beginnt Ford zerlegte Fahrzeuge in einem Kuhstall außerhalb Montevideos (Uruguay) zu bauen. Dieses Werk blieb bis Oktober 1985 in Betrieb. Auch in Havanna auf Cuba folgt man diesem Vorbild. Pläne für ein Werk in Equador werden allerdings wieder auf Eis gelegt. Als man feststellt, daß Fords Marktanteil in Chile rund 70 Prozent beträgt, ist es nicht verwunderlich, daß 1924 in Santiago auch ein Montagewerk eröffnet und den Export nach Peru und Bolivien übernimmt. Mitte der 60er Jahre wird in Chile ein neues Werk gebaut, das in den 70er verstaatlicht wurde.

Ford Werk São Paulo 1926
Ford Werk São Paulo 1926

Mit dem Bau der ersten T-Modelle im Werk Bom Retiro, Rua Sólon 1921 war Ford der erste Fließband Hersteller im größten Land Südamerikas. Seit 1919 wurden T- und TT Modelle schon in einem Vorort von São Paulo (zunächst Rua Florencio de Abreu, ein Jahr später Praça da República) montiert. 1923 wurden rund vierzig Autos am Tag gebaut. Bald kamen zusätzliche Montagebetriebe in Rio de Janeiro, Porto Alegre und Recife hinzu, die jedoch in Folge der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre schon wieder ihre Tore schlossen. In Brasilien ist das T-Modell als "Bigode" (zu deutsch Schnurrbart) bekannt, wegen der beiden Hebel für Gemisch und Zündung an der Lenksäule. 1924 nimmt Ford an der ersten brasilianischen Automobilausstellung teil und zeigte dort die Fließband Fertigung. 1925 hatte man schon 25.000 Ford verkauft, diese Verkaufszahlen wurden erst in den 60er Jahren mit dem Corcel wieder eingeholt.
Mit dem Erscheinen des A-Modells (in Brasilien "Fordinho" genannt) wurde das T-Modell abgelöst und weitere Verkaufsrekorde aufgestellt. Der stärkere Motor und die für die damalige Zeit unglaubliche Zuverlässigkeit sind heute noch legendär. 1932 wird die PKW Produktion bei Ford in Brasilien zugunsten der Lastwagen eingestellt. Ab 1932 verkauft man den V8, aber auch die deutschen Modelle Taunus und Eifel sowie englische Anglia und Modell-Y. Selbst luxuriöse Lincoln wurden in Brasilien vertrieben. Ab 1939 werden Mercury in Brasilien gebaut. Im gleichen Jahr beginnt man Hercules Dieselmotoren in LKWs zu verbauen. Nach Kriegseintritt der Amerikaner stoppt die Fahrzeugproduktion bei Ford in Brasilien und es wurden stattdessen Holzgasgeneratoren geliefert.

Mit dem Ziel möglich alle Fahrzeug Bauteile selbst herzustellen gründete Henry Ford in Brasilien sogar eine Kautschukplantage für die Reifenherstellung: Fordlandia. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde dieses Projekt jedoch wieder aufgegeben. 

1937 eröffnet der erste Ford Händler Venezuelas Auto Mondial in Valencia seine Tore, 1940 ein zweiter Cordero Agreda in Barquisimeto.

Ford F-Serie Doppelkabine Brasilien 1965
Ford F-Serie Doppelkabine Brasilien 1965

1948 wurde die LKW Produktion in Argentinen und Brasilien ausgeweitet. 1953 kam ein zweites brasilianisches Werk in Ipiranga (bei São Paulo) hinzu. Hier wurden F-600 und der F-100 Pick-Up gebaut. Eine eigene Gießerei und Werkzeugbau machten ab 1955 die Ford zu praktisch komplett brasilianischen Produkten. Die erste brasilianische Zugmaschine, der Ford 8BR Diesel, erscheint 1960. Bis 1962 bleibt man LKW Marktführer, dann übernimmt Mercedes-Benz diese Stellung. 1967 erwirbt Ford die Werke Taubaté und São Bernardo do Campo von Willys Overland do Brazil. Hatte man bisher nur LKW gebaut, wurden fortan europäische und amerikanische PKW Modelle (z.B. der '67er Galaxie 500) gebaut, wobei der importierte Anteil stetig reduziert wurde. Auch Sechszylinder Kaiser-Willys Aero, Imarty, Rural und Jeep wurden als Ford-Willys teilweise noch bis 1975 gebaut.

Ford Taunus SP5
Taunus SP5 aus Argentinien

1959 wird neues Land in Argentinen erworben. Die Fertigung zieht 1961 nach Gran Pacheco um und wird von Traktoren auf PKW und LKW umgestellt. Wichtigstes Fahrzeug ist dort nun der Falcon, von dem in 30 Jahren über 490.000 Stück gebaut wurden.  In Villa Consitucion wird die Metcon Gießerei gegründet, in Camino San Carlos Transax, ein Getriebe- und Achsenwerk. Deren Ausstoß lag bei weit über einer halben Million Stück täglich. Während der Militärdiktatur sollen im Werk Gran Pacheco Mitarbeiter gefoltert worden sein.

Am 27.10.1962 weiht Ford das neue Werk in Valencia (Venezuela) ein. 533 Arbeiter bauen im ersten Jahr ganze 69 Autos. Zuerst den Falcon, gefolgt von Galaxie, LTD, Fairlane und Mustang. Im Jahr darauf sind es schon 4.716, später auch F-150 und Ranger Pick-Up, Cortina, Maverick, Sierra, Escort, Festiva, Fiesta, Laser, Landau, Bronco und Explorer, sowie LKW der F-350, Cargo, F-7000 und F-8000 Baureihe. Der höchste Ausstoß in Venezuela wird 1978 mit 63.767 Einheiten erreicht. 1997 feierte man den 1.000.000ste Ford aus Venezuela. Heute werden dort von den rund 1.700 Mitarbeitern  Explorer montiert.

Corcel Coupe 1973

1969 wird mit dem Corcel das erste rein brasilianische Ford Modell vorgestellt, mit noch als "Projekt M" von Willys auf Renault 12 Basis entwickelter Mechanik. Der Wagen ist mit über einer halben Million gebauter Exemplare bis heute der erfolgreichste Ford aus Brasilien. Auch den Maverick gibt es 1973 entweder noch mit einem Sechszylinder Willys Motor oder einem importierten Ford V8. Nach der Ölkrise wird der Reihensechser aber bald durch die neuen OHC 2,0 und 2,3 Liter Vierzylinder aus Taubaté ersetzt, die auch im F-1000 und Mustang zum Einsatz kommen. Rund 300 Maverick wurden täglich gebaut, nachdem zuvor rund 150 Millionen Dollar in dieses Projekt investiert wurden.
Auflagen der Regierung zwingen Ford 1970 die Montage in Peru zu beenden.

Ab 1976 laufen in São Bernardo do Campo Traktoren vom Band. Die Brasilianer beginnen Fahrzeuge für den Betrieb mit Alkoholkraftstoff (Gasohol) anzubieten und der Pampa, ein Corcel II als Pick-Up, kommt 1979 ins Programm. 1985 beginnt Ford in Brasilien die Cargo LKW zu bauen, die Produktion dieses Modell wurde mittlerweile in Nordamerika und Mitteleuropa eingestellt. Nur aus der Türkei kommt noch ein Verwandter.
Volkswagen und Ford gründen 1986 zusammen ein Jointventure in Südamerika. Ford verkauft die argentinischen LKW und Nutzfahrzeugsparte an Volkswagen. Bei Autolatina Brasilien werden ähnliche Typen für beide Marken gebaut, bis es 1995 wieder zur Trennung zwischen Ford und VW kommt und Ford seine Anteile verkauft. 1997 präsentiert Ford den Courier, einen Pick-Up auf Basis des Fiesta.

Aus Taubaté kommen RoCam Motoren und Getriebe für die in Sao Bernardo gebauten Ford Fiesta und Ka, aber auch den SportKa und StreetKa. Ipiranga liefert zunächst den Landau, später Ford Cargo bis 68 Tonnen Gesamtgewicht und F-Serie Nutzfahrzeuge sowie Bus Fahrgestelle. In Tatui befindet sich seit 1972 ein Testgelände. Elektronische Bauteile wie Radios und Motorsteuergeräte kommen aus Guarulhos, seit 1996 werden von dort auch Kunststoffteile und Kraftstoffsysteme geliefert.
1999 beginnt die Fertigung des Ford Laser in Bogotá (Kolumbien), ein Jointventure mit Mazda. Neuestes Ford Werk in Brasilien ist Camaçari, wo seit 2001 der Courier gebaut wird. Damit ist Brasilien vom Umsatz die drittgrößte Ford Gesellschaft weltweit.

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