Ford Israel

Zu den ersten Ford im damals noch britischen Palästina werden wohl englische und australische Fordson Armee-LKW gehört haben. Zudem wurden Anfang der 30er Jahre viele kanadische Ford LKW mit Marmon-Herrington Allrad Antrieb für den Pipeline-Bau der Ölindustrie genutzt. Bei den Arabern waren die meist roten F-Serie V8 Eintonner als "wanette" bekannt.

Nach der Unabhängigkeit Israels kam es schon 1948 im New Yorker Waldorf Astoria Hotel zu einem Treffen zwischen Henry Ford II und Israels Präsidenten Dr. Chaim Weizmann. Kaum mit Eisenbahnstrecken gesegnet war der junge Staat fast komplett auf LKW als Transportmittel angewiesen. Ford witterte neben einem guten Geschäft auch die Möglichkeit der Kritik an antisemitischen Äußerungen seines Großvaters zu begegnen. 1949, als die USA Israel erste finanzielle Hilfen zusagten, sandte Henry Ford II ein Team nach Israel um zu untersuchen ob sich dort eine eigene Fertigung lohnen würde. Schon im Jahr darauf wurde ein Vertag zwischen Ford und Dr. Lifschitz sowie seinem Partner Arieh Lowenstein unterzeichnet. Im Juni 1951 eröffnete Premierminister David Ben-Gurion das Kaiser Frazer Montagewerk.

Fords Mann im Nahen Osten, Walter McKee, schlug eine Montage in der Hafenstadt Haifa vor. Amerikanische Fachkräfte sollten die Israelis ausbilden, zudem sollten – wo immer möglich – einheimische Lieferanten ausgewählt werden. Noch im gleichen Jahr kam es zu einer 4 Millionen Dollar Bestellung seitens Israels in Detroit über 1.800 LKW und Busse, zu guten Konditionen von der Ford-Bank finanziert. Warum es nicht zur Montagelinie in Haifa kam, kann nur noch vermutet werden. Waren es die politischen und wirtschaftlichen Probleme, oder lohnte sich der Deal für Ford schlichtweg nicht?
Der israelische Präsident blieb Ford treu und fuhr bis zu seinem Tode im Jahr 1952 eine Lincoln Cosmopolitan Präsidenten Limousine, die er 1950 von Henry Ford II geschenkt bekam und die sich heute restauriert in Tel Aviv befindet.

Lincoln Cosmopolitan von Dr. Weizmann
Lincoln Cosmopolitan von Dr. Weizmann

Mitte der 50er Jahre gründete sich der erste einheimische PKW-Hersteller. Die 1957 in Haifa gegründete Autocars Company baute einen kleinen Kombiwagen mit Ford-Anglia-Motor. 1961 übernahm sie die Lizenzherstellung eines von der englischen Reliant Engineering Co. entwickelten Sportcabrios. Mit Unterstützung durch Reliant baute Autocars ab 1960 Kleinwagen mit Kunststoff-Karosserie. Während der Reliant Sabre ein kantiges Kühlergesicht trug, wurde dem Sabra Sport eine aerodynamisch verlängerte Front verpaßt. Verwendet wurden, wie schon bei Reliant, Anglia Motoren. Neben dem Sussita und Carmel baute man in Haifa später auch den Sabra Sportwagen mit 1,7-Liter Consul Motor - leistungsgesteigert auf 91 SAE-PS für den Export, zumeist nach Belgien und in die USA. Deren Qualität galt als recht schlampig, Spötter behaupteten sogar die Plastikkarosserie würde von Kamelen angeknabbert. Doch erst 1980 verließ der letzte Sabra das Werk.

Sabra
Sabra

Da die "NATO-Ziege" von der Bundeswehr nicht wirklich gemocht wurde, suchte Ford Köln neue Absatzmärkte für den Allrad-Laster und wurde in der Türkei und bei den Israelis fündig.

Im Juni 1966 kehrte Ford Importeur und Gründer der Palestine Automobile Corp. Dr. Shaul Lifschitz von einer Detroit Reise zurück. Dort versprach er in Israel eine Fertigungslinie hochzuziehen. Am 8. November 1968, mitten in einer wirtschaftlichen Rezession, bot Ford an zukünftig Anglia PKW sowie Traktoren im Land zu montieren. Das Angebot auch den Falcon oder Transit Lieferwagen und Kleinbusse bauen zu dürfen wurde jedoch abgelehnt, denn für dieses Segment hatten die Israelis schon Dodge exklusiv eine Zusage erteilt. Bei "Palestine Automobiles" wurden Dexta Schlepper gebaut. Die Anglia Produktion lief aber damals in England schon aus, dessen Nachfolger Escort stand bereits in den Startlöchern.
Bei schönem Wetter  wurde am 22. Mai 1968 das Automotive Industries (AIL) Werk in Upper Nazareth Illit eingeweiht. Zehn weiße, dort mit aus England angelieferten Teilen montierte Escort standen zur Auslieferung bereit. Bis Jahresende stieg deren Zahl auf 970, was beweist wie beliebt dieses Modell in Israel war. Solcherlei Aktivitäten wurden von den arabischen Nachbarn mit großem Argwohn betrachtet und man drohte mit einem Ford Boykott würde die Produktion in Israel nicht umgehend eingestellt. In 13 Jahren wurden in Nazareth insgesamt 27.604 Escort Mk.I & II gebaut, damit stellte Ford das zahlenmäßig erfolgreichste je in Israel montierte Automobil. Automotive Industries (AIL) baut heute in Upper Nazareth Miltärfahrzeuge.

Den Ford Import übernimmt seit 1999 Delek Motors. Für die Armee werden in Israel gepanzerte Fahrzeuge auf Ford F-Serie Basis gebaut, z.B. die "Plasan Sand Cat ".

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