Henry Ford & Son Ltd. Cork, Irland

Henry Fords Vater William Ford wanderte 1847 zusammen mit seinem Zwillingsbruder und den Eltern aus dem irischen Ort Ballinascarty (50 km vor Cork entfernt) aus. Während einer großen Hungersnot wurde Henry Ford 1863 in Michigan geboren. 1912 reiste Henry Ford erfolglos nach Irland um das Haus seiner Vorfahren zu erwerben. Er kaufte daraufhin identische Backsteine für sein neues Zuhause, doch die kamen nie in den USA an. Das 1914 gebaute Anwesen "Fairlane" der Fords in Dearborn wurde nach einem Landstrich nahe Cork (IRL) benannt, nach Henry Fords Tod auch  ein Mittelkalssefahrzeug.

Schon 1907 werden drei Ford N-Modelle auf der irischen Automobilausstellung in Dublin präsentiert. Ein gewisser Mr. Archer erwirbt die Vertriebsrechte für den in Irland zunächst noch unbekannten Wagen. Das ändert sich jedoch rasch, als N-Modelle die Gold-Medaille bei irischen Zuverlässigkeitsfahrten 1907 und 1908 gewinnen.

Auch das T-Modell wird schnell zum Schlager, die Verkäufe verdoppeln sich Jahr für Jahr. 1913 werden schon 600 Ford in Irland an den Mann gebracht.
Am 17. April 1917 wird offiziell die Henry Ford & Son Ltd. In Cork nahe Kilmalooda Parish, dem Geburtsort von Henrys Vater, gegründet. Dies ist bis heute der offizielle Name von Ford Irland und die einige Ford Gesellschaft weltweit, die den vollen Namen des Firmengründers trägt. Die fortan berühmte Adresse des Werks lautet: Marina, Cork -  wo zuvor eine Pferderennbahn betrieben wurde.

Am 3. Juli 1919 rollen die ersten Fordson Traktoren vom Band, bis Jahresende werden es 303. Ab August 1921 kommen auch alle Gussteile und Motoren für das Werk im englischen Manchester aus Cork. Bis 1920 handelt sich dabei stets um ein Privatunternehmen der Ford Familie, die sich mit ihren amerikanischen Aktionären zeitweilig überworfen hatte.
Die Traktoren Produktion wird am 29. Dezember 1922 eingestellt und nach der Unabhängigkeit von Großbritannien werden auch keine Teile mehr nach Manchester geliefert.

Fordson Cork 1924
Cork 1924

Im Jahr darauf startet dafür die Fertigung des Modell T. Dezember 1927 verlässt das allerletzte T-Modell weltweit das Band in Cork, bis dahin hatten die Iren 10.341 Tin Lizzie gebaut. Gleichzeitig profitiert das Werk  von einem Großauftrag über Traktoren und Ersatzteile für die Sowjetunion, der Bau der Fordson N Schlepper wird deshalb wieder aufgenommen. Die Qualität ließ jedoch sehr zu wünschen übrig, aus aller Welt häuften landeten Reklamationen in Cork. Nur langsam bekam man die Probleme in den Griff, die oft auch mit mangelndem technischen Verständnis sowjetischer Kolchosebauern zusammen hingen.
Im Jahr 1929 waren es 32.000 Schlepper und somit die weltgrößte Fabrik für Ackerschlepper, bis die Fertigung in das neue Werk Dagenham (GB) transferiert wird. 1930 war das irische Werk mit 6.924 Mitarbeitern das größte Ford Werk außerhalb der USA. Viele Mitarbeiter wechseln aus Cork nach Dagenham.

Ford Modell-Y Cork

1938 feiert Cork das 25.000ste Fahrzeug seit der Umwandlung in ein Montagewerk. 73.000 Ford PKW, LKW und Traktoren insgesamt kamen bis dahin aus irischer Fertigung. 1942 wird die zivile Produktion eingestellt, da keine Lieferungen aus USA und England mehr eintrafen. Die Mitarbeiter warten fortan Ausrüstung für die irische Armee und überholen Ersatzteile. Im Februar 1946 läuft ein 10HP Prefect als erstes Nachkriegsfahrzeug vom Band. Dieser Typ wird zum beliebtesten Auto Irlands.

1967 werden vier Millionen Pfund für die Erneuerung der Produktionsanlagen in Cork investiert. Es gehört nun zu den modernsten Werken im neu gegründeten Ford Europa. Zwei Jahre zuvor wurde bereits im nordirischen Belfast ein Werk für Vergaser und Kraftstoff-Systeme gebaut. 1972 erfolgten weitere Rationalisierungen: Cork baut fortan nur zwei Modelle: Escort und Cortina, die zusammen 75% der verkauften Ford  in Irland ausmachen. Gleichzeitig werden mehr als 4.000 jährlich nach Großbritannien exportiert. Für den Papst Besuch 1979 wird eigens ein "Papamobil" auf D-Serie Basis gebaut.

Henry Ford II zu Besuch in Cork 1977
Henry Ford II zu Besuch in Cork 1977

Mit dem Beitritt Irlands in die Europäische Gemeinschaft entfielen die bisherigen Handelsbeschränkungen. Das Werk Cork war fortan nicht mehr wettbewerbsfähig. Hinzu kam die hohe Inflation und Verluste von über 35 Millionen Pfund. Dennoch dauerte es noch bis zum 13. Juli 1984, bis die Fertigung endgültig eingestellt wurde. Ford ist auch heute noch eng verbunden mit Cork und die Werksgebäude am Hafen gehören unwiderruflich zum Stadtbild. Später kamen nur noch Einzelteile aus dem Ford Werk in Belfast von der irischen Insel.

1997 wurden die Zulieferwerke von Ford unter dem Namen Automotive Product Operation weltweit in einen eigenen Organisationsstrang zusammengefasst und in Visteon umbenannt. Einbezogen waren auch die deutschen Werke in Berlin, Düren und Wülfrath und die britischen Werke in Belfast, Basildon, Enfield und Swansea.
2009 kommt es zu Besetzung des Werks Belfast durch die Mitarbeiter um höhere Abfindungen zu erstreiten.

Heute spielt Ford  in Irland mit 52 Händlern und dadurch rund 1.000 für Ford arbeitende Personen immer noch eine wichtige Rolle.

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