Ford Rumänien

Die Beziehungen zwischen Ford und Rumänien begannen 1928 mit einem Treffen zwischen dem rumänischen Staatssekretär Andre Popovici und Henry Ford in Washington, bei dem Henry Ford für seine Verdienste für die Menschheit ausgezeichnet wurde. 1931 eröffnet Ford eine Repräsentanz in Rumänien. Schon zuvor verkauft man ein Flugzeug vom Typ Ford Trimotor in den Balkanstaat.

Ford Werk Bukarest 1936
Ford V8 Modelle im Werk Bukarest 1936

 

1932 schlug man Ford England (zuständig für den Vertrieb in Rumänien) vor eine Fertigung in Bukarest-Floreasca zu errichten.

Doch erst im Mai 1936 begann die neugegründete Ford Romana S.A.R. mit dem Bau des ersten osteuropäischen Fließbands für eine Kapazität von 2.500 sechssitzigen V8-60 und Nutzfahrzeugen pro Jahr, nachdem im Jahr zuvor bereits Autoelektrik-Teile gefertigt wurden. 100 Arbeiter sollten beschäftigt werden. Die ambitionierten Pläne beinhalteten sogar die Montage des Lincoln Zephyr.

1939 wurden in Rumänien gefertige Innenausstattungen, Batterien, Schrauben, Farben und andere Teile zur Freigabe nach Detroit geschickt. Ford hatte in Rumänien schon zehn Millionen Lei investiert. 1940 fehlten dann jedoch durch den Zweiten Weltkrieg die Mittel um weiterhin Teile aus den USA zu importieren. Im ersten Quartal hatte man alle LKW verkauft und im März wurde das Werk der rumänischen Armee übereignet, die ja eine beachtliche Anzahle von Allrad Ford LKW betrieb. Das Werk stand nun unter deutscher Verwaltung, alle Importe aus den USA und Großbritannien wurden eingestellt und der Österreicher Wachner als Verwalter bestellt.

Petre Cristea mit seinem Ford bei der Rallye Monte Carlo
Petre Cristea mit seinem umgebauten Ford V8 bei der Rallye Monte Carlo

Zu dieser Zeit wurden Rumänen auch im Motorsport erfolgreich. Petre Cristea gewinnt zusammen mit Gogu Constantinescu und Ionel Zamfirescu 1936 in einem selbst aufgebauten Ford V8 die Rallye Monte Carlo. Sie wählten mit Athen den schwierigsten Startort, der aber auch die meisten Wertungspunkte brachte. Im Balkan bekamen sie Wölfe zu Gesicht und führten zur Sicherheit einen Revolver mit. Die abgespeckte Karosserie verzichtete auf eine Heizung. Zamfirescu erinnerte sich in den 80ern: "Fahrer und Beifahrer wärmten sich mit Cognac- und Weinflaschen". Zwanzig Jahre nach seinem Monte Sieg 1936 wird Petre Cristea sein Geheimnis preisgeben. Sein abgespeckter Ford V8 sei mit einem starren Hinterachsantrieb ohne Differential ausgerüstet gewesen. Dies habe ihm erlaubt, den engen Geschicklichkeitskurs ohne durchdrehende Räder und somit mit stärkerer Beschleunigung als seine Gegner zu fahren. So gewinnt er diese entscheidende Prüfung mit 49 Sekunden Vorsprung auf die schon heftig feiernden Schells. Diese Hinterachse bewährt sich auch in Schnee und Morast. Im Ford herrscht klare Arbeitsteilung: Petre Cristea fährt, Ionel Zamfirescu liest die Karten, stoppt die Zeiten und Gogu Contantinescu ist für die Mechanik zuständig. Im Jahr darauf erreicht Cristea den 7. Gesamtplatz, der erste bleibt ihm verwehrt, weil die Kotflügel Abmessungen nicht dem Reglement entsprachen. Auch beim Alpen-Cup und anderen internationalen Wettbewerben sind rumänische Ford V8 Piloten  erfolgreich.

1937 werde für die rumänischen Streitkräfte amerikanische Ford LKW mit Marmon-Herrington Allradantrieb montiert. 1938/39 werden 600 Armee LKW montiert, darunter Allradfahrzeuge, die Flakgeschütze ziehen sollten.1938 wird Erhard Vitger die Leitung der Ford-Motor-R.T.C. in Budapest übertragen. Das Werk in Rumänien erweitert seine Zuständigkeit auf Jugoslawien, Bulgarien und Albanien. 1939 werden noch einmal 488 Marmon-Herrington 4x4 LKW bestellt, zu einer Montage ist es aber auf Grund des Kriegsausbruchs nicht mehr gekommen. Am 2. Oktober 1939 unterzeichnet Ford Dagenham mit der rumänischen Regierung einen Vertrag zur Lieferung von 1.500 V8 Krankenwagen. Auch das rumänische Königshaus fuhr Ford Produkte, man importierte eigens ein Lincoln LeBaron Cabriolet. Lincoln unterhielt in Bukarest einen edlen art-deco Showroom am Tache Ionescu Boulevard. Das rumänische Ford Werk verwendet immer mehr heimische Bauteile, anstatt wie zuvor nur als reiner Montagebetrieb zu arbeiten. Es arbeitete sehr profitabel, der Ausstoß lag 1936-40 bei rund 2.500 Fahrzeugen jährlich.

V3000S LKW wurden unter deutscher Aufsicht für die Truppen der Achsenmächte gebaut. Im Oktober 1940 ging die Leitung der Ford Romana SAR an die deutschen Ford-Werke über, und am 22. Juni 1941 trat das Königreich Rumänien an der Seite Deutschlands in den Zweiten Weltkrieg ein. Noch nach Kriegsausbruch kommen Anfang 1940 aus Dagenham 700 LKW, 27 Krankenwagen, 90 PKW als Armee Mannschaftswagen sowie 50 PKW; bis im März sämtliche Importe kriegsbedingt gestoppt wurden. Das Werk fungiert fortan als reiner Reparaturbetrieb, fuhr doch die rumänische Armee fast ausschließlich Ford Allrad LKW.
1943 überholte die "Fabrica de Autocamioane Ford-Romana" von der Roten Armee erbeutete "Komsomolets" Panzer, die mit in Ford-Lizenz gebauten GAZ Motoren angetrieben wurden. Nach der Aufarbeitung wurden sie als Zugfahrzeuge für 50 mm Panzerabwehrkanonen eingesetzt. Die Sowjet-Armee wird sich darüber gefreut haben, konnte sie doch alle Exemplare später wieder zurück erbeuten.

Im August 1944 wurde das Werk beschlagnahmt und als Kriegsentschädigung teilweise demontiert. Der Reparaturbetrieb wird zunächst auch für die Rote Armee weitergeführt. Nach der kommunistischen Machtergreifung war Ford in Rumänien - wie in allen Ostblock-Staaten - nicht mehr präsent, weil durch die Verstaatlichung 1946 alle Verhandlungen zwischen Ford England und den dortigen Behörden scheiterten. Ein Hauptproblem war die nicht frei konvertierbare rumänische Währung. Immerhin kann Ford England Entschädigungszahlungen der Rumänen für die Enteignung erwirken, die aber nur zu einem kleinen Teil wirklich geleistet wurden. Die Anlagen wurden liquidiert und von "Autoindepenta" übernommen. Dieser  Betrieb für Elektro- und Wärmetechnik existiert unter anderem Namen bis heute.

1964 geht im Werk "Steagul Roşu" (Rote Fahne) der Fünftonner LKW vom Typ "SR113 Bucegi" in Produktion. Dessen formschönes Führerhaus wurde von Chausson entrwickelt, sein SR211 Benzinmotor ist eine Lizenproduktion des 140 PS 5.025 ccm "Y-block" Ford V8. Es folgen der Allrad Viertonner SR144, die Sattelzugmaschine SR115, der Kipper SR116 und ein Siebentonnen Frontlenker SR7 BA-1 bzw. SR18T BA-1 Zugmaschine auf gleicher Basis.

1966 reist Henry Ford II nach Bukarest um Verhandlungen über ein geplantes Joint-Venture zwischen Ford-Köln und einem rumänischen Betrieb zu leiten. Geplant war ein zehnjähriges Engagement der Kölner um beim Aufbau der rumänischen Automobilindustrie zu helfen. Doch die Pläne für einen Lizenzbau von 15M und Transit scheitern ebenso wie spätere Gespräche 1971 über den Bau von Ford LKW.

Ford selbst wird erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wieder aktiv, ROMCAR importiert ab 1992 die Fahrzeuge mit dem blauen Oval. Der rumänische Geländewagenhersteller ARO versuchte mit dem Crosslander 244X auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen. Den Antrieb sollte der aus dem Explorer bekannte Kölner Ford 4-Liter V6 Motor liefern.

Ford Hauptquartier in Craiova
Ford Hauptquartier in Craiova

2008 übernimmt Ford 72,4% vom ehemaligen GM Werk "Automobile Craiova SA", in dem zuvor Oltcit, Citroën und Daewoo Modelle gebaut wurden. Im Zuge des Deals hatte es Auseinandersetzungen mit der EU-Kommission gegeben, die dem rumänischen Staat unerlaubte Hilfen für Ford vorgeworfen hatte. Nach einem Brüsseler Beschluß mußte Ford Fördermittel in Höhe von 27 Millionen Euro zurückzahlen. 2009 wird der Ford-Anteil auf fast 100% erhöht. Dort lief ab September 2009 der Transit Connect und bis 2017 der B-MAX vom Band. 2017 folgt der Ecosport.

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